Raed Mutar

Raed Mutar hat seine Beteiligung an der 12. Berlin Biennale zurückgezogen. Mehr Information

Raed Mutar lebt und arbeitet in Bagdad, IQ

 

Während seines Kunststudiums an der Universität Bagdad teilte Raed Mutar sein Atelier mit zwei befreundeten Malern. Ein Ölgemälde aus dem Jahr 2012 illustriert die Beziehung zwischen den drei Künstlern. Während einer von ihnen unsichtbar bleibt, betrachtet der andere einen Mann mit OP-Maske, dem er eine Infusion scheinbar direkt in den Mund tropft. Als Kind litt Mutar an schwerem Asthma und war häufig im Krankenhaus. In dieser Inszenierung ist er sowohl Autor als auch Sujet. Es ist sein Körper, der hier genährt wird. Die Maske verdeckt die untere Gesichtshälfte, doch sein Blick ruht auf uns, den Betrachtenden. Das farbenreiche Werk porträtiert die Haut aus unmittelbarer Nähe, aber die sinnliche Szene gründet in der Freundschaft, die von der dichten, aufgeladenen Atmosphäre eines jungen gefährdeten Lebens geformt wird.

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Raed Mutar, Ohne Titel, 2012, Öl auf Leinwand, 150 × 120 cm, Courtesy Rijin Sahakian © Raed Mutar, Foto: Eric Tschernow

Mutar wurde vier Jahre vor dem US-amerikanisch geführten Golfkrieg von 1991 geboren. Er war 16 als die Invasion und Besetzung des Irak offiziell begann. Das Gemälde zeigt seinen Freund in der Rolle des Fürsorgenden; der Künstler selbst bedient unseren Voyeurismus während wir gleichgültig auf das bewusst provozierende Bild starren. Im Vordergrund liegt eine tote Eule. Mutar fotografierte diese Vögel viele Jahre lang. In der Tradition des Irak und in vielen anderen Kulturen ist sie ein schlechtes Omen. Die Eule kündet von der Tragödie.

Wir waren passiv, betrachteten diese Körper – alle diese Körper –, die Pflege brauchen, die versorgt werden müssen. Lange Zeit. Mutar weiß das. Sein Freund weiß das. Sein Gemälde hilft auch uns es zu verstehen. Wir können gar nicht anders. Die Bilder irakischer Männerkörper werden von den internationalen Bildschirmen weg und hinein in eine intime Situation des Betrachtens transferiert, die von historischen Bezügen und einem gegenseitigen Verstehen geprägt ist.

 

 

Rijin Sahakian

Ausstellungen

documenta fifteen, 2022, Fridericianum, Kassel (DE)