Jean-Jacques Lebel lebt und arbeitet in Paris, FR

 

Nach ihrem Einmarsch in den Irak übernahm die US-Armee unter der Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush das berüchtigte Gefängnis Abu Ghraib in der Nähe von Bagdad. Dort wurden Gegner: innen des tyrannischen Regimes von Saddam Hussein festgehalten und gefoltert – oft bis zum Tod. 2003 wendete sich das Blatt. Nun saßen die Gefolgsleute Saddam Husseins dort ein und wurden Opfer von Folter, Vergewaltigung, allen möglichen Formen von sexuellem Missbrauch und tiefster Erniedrigung durch uniformierte Angehörige der US-Armee und CIA-Beamt:innen. Das einzig Neue an dieser anscheinend ewigen Tragödie waren Unmengen Fotos – Zeugnisse ihres kriminellen Fehlverhaltens –, die die folternden Amerikaner:innen selbst gemacht und stolz ins Internet gestellt hatten. Diese authentischen historischen Dokumente sind noch immer online zugänglich und bilden die Grundlage meiner labyrinthartigen Installation.

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Jean-Jacques Lebel, Poison soluble. Scènes de l’occupation américaine à Bagdad [Lösliches Gift. Szenen aus der Zeit der amerikanischen Besatzung in Bagdad], 2013, 44 Farbtintenstrahldrucke auf Stoff, 2 S/W-Drucke auf Papier, an die Wand geklebt, Farbdrucke je 200 × 140 cm; S/W-Drucke je 200 x 1120 cm, Installationsansicht, MAMCO, Genf, 2013, Foto: Ilmari Kalkkinen © Jean-Jacques Lebel / VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: © Musée d’art moderne et contemporain (MAMCO), Genf

Ich habe die farbigen Schnapsschüsse der Folternden ausgedruckt, vergrößert und schwarz-weißen Pressefotos von irakischen Städten gegenübergestellt, die von der US-Luftwaffe verwüstet oder völlig vernichtet wurden. (Kein:e Einwohner:in hat die Bombenangriffe überlebt. George W. Bush erklärte die „Operation Iraqi Freedom“ später vor einem gigantischen Banner mit der Aufschrift „Mission erfüllt“ zum Erfolg.) Mit diesem Projekt möchte ich die Betrachter:innen dazu anregen, sich mit den Folgen des Kolonialismus auseinanderzusetzen.

Jean-Jacques Lebel

Ausstellungen

L’Outrepasseur, 2018, Le centre national d’art et de culture Georges-Pompidou, Paris (FR) (solo)

L’Un et l’Autre, 2018, Palais de Tokyo, Paris (FR) (solo)

Itinéraires, 2017, Musée d’arts de Nantes, Nantes (FR) (solo)

Jean-Jacques Lebel. The Highest of All the Arts is Insurrection, 2014, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe (DE) (solo)

Recycler, Détourner, 2012, Galerie Louis Carré & Cie, Paris (FR)

Manifesto Marathon, 2008, Serpentine Gallery, London (UK)